Länderprofil

Algerien

Gültigkeit Seit 01.09.2007
Amtssprache Arabisch Neben dem Arabischen ist Tamazight (Mazirisch) eine offizielle Amtssprache in Algerien. Etwa 70% der Bevölkerung spricht Arabisch als Muttersprache. 30% gibt eine Berbersprache als Muttersprach an. Neben dem Arabischen spielt Französisch nach wie vor eine wichtige Rolle als Bildungs-, Handels- und Verkehrssprache.

Beschreibung

Das algerische Bildungssystem ist stark zentralisiert. Schulpflicht besteht für 9 Jahre, davon 5 Jahre in der Grundschule und 4 Jahre in einer weiterführenden Schule.

Berufliche Qualifikationen können in Algerien an Schulen und Einrichtungen des Bildungsministeriums (Ministère de la formation et de l’enseignement professionnels - MFEP) erworben werden, das für die Organisation und die Entwicklung der Lehrpläne zuständig ist. Hierbei konzentrieren sich die beruflichen Qualifikationen auf die Sekundarschulen. Anders als in Deutschland ist in Algerien der Bereich Schulbildung und damit der sekundäre Bildungsbereich nicht klar vom berufsbildenden oder vom tertiären Bildungssektor zu trennen. In Algerien beginnt die berufliche Bildung bereits mit dem Besuch der Technischen Sekundarschule, also einer rein schulischen Ausbildung.

Nach Besuch und Absolvierung der ersten 9 Schuljahren (5 Jahre Grundschule und 4 Jahre Elementarschule) können algerische Schüler/innen zwar Präferenzen in Bezug auf die Wahl weiterführender Bildungseinrichtungen angeben, zugeteilt werden sie jedoch entsprechend ihrer Ergebnisse in der Abschlussprüfung „Brevet d’enseignement moyen – BEM شهادة اتمام مرحلة التعليم الاساسى“. Neben der Möglichkeit, für weitere 3 Jahre eine Allgemeine Sekundarschule (Année Secondaire (AS)الثانوية العامة ) zu besuchen und anschließend die Allgemeine Hochschulreife „[Baccalauréat de l’enseignement secondaire] البكالوريا“ zu erwerben, können Schüler/innen an den beruflichen und technischen Sekundarschulen folgende berufsbildende Abschlüsse erwerben:

An der 2-jährigen technischen Sekundarschule (Institut d’Enseignement Professionnel - IEP) können Schüler/innen den Abschluss „Diplôme d’Enseignement Professionnel du 1er degré - DEP 1  “ sowie nach Absolvierung weiterer zwei Jahren den Abschluss „Diplôme d’Enseignement Professionnel du 2ème  degré - DEP 2“ erwerben. Die berufliche Ausbildung (formation professionnelle) an den Technischen Sekundarschulen umfasst sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsinhalte. Der praktische Anteil wurde in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Des Weiteren ist die Berufsausbildung am (Institut d’Enseignement Professionnel - IEP) doppelt qualifizierend, d.h. sie ermöglicht zum einen den Einstieg in den Beruf und zum anderen die Aufnahme eines Studiums. Voraussetzung für die Aufnahme ist der Abschluss der Grundbildung (Brevet d’enseignement moyen). Auch Schüler, die sich im ersten Jahr des Lyzeums (Allgemeine Sekundarschule) befinden, können in den beruflichen Unterricht wechseln. Der Unterricht findet 36 Wochen pro Jahr jeweils 36 Stunden statt. 60% des Unterrichts ist berufsbezogen, 40% allgemeinbildend. Sechs bis acht Wochen des berufsbezogenen Unterrichts werden pro Jahr im Unternehmen absolviert. Im Anschluss an das DEP2 kann durch einen 2-jährigen Aufbaukurs an einem Technischen Institut das Diplom zum höheren Techniker „Diplôme de Technicien Supérieure – TS - Qualifikationsniveau 5“ erreicht werden. Darüber hinaus haben Absolventen der allgemeinen Sekundarschule die Möglichkeit, eine 3-jährige staatliche Fachhochschule/bzw. ein „Intermediäres Institut“ zu besuchen und dort den Abschluss "Brevet de Technicien Supérieur – BTS - Qualifikationsniveau 5" zu erwerben.

Neben dem oben dargestellten schulischen Weg der Berufsqualifikationen kann die Berufsausbildung in Algerien auch über die sog „formation en mode apprentissage - FA“, einer vorwiegend betrieblichen Lehre, die zum Teil im Betrieb und zum anderen Teil in einer Berufsschule (Établissement de Formation Professionnelle) stattfindet. Diese dauert zwischen einem und maximal drei Jahren. Dabei gelidert sich die Ausbildung in fünf Qualifikationsniveaus, die eine unterschiedliche Dauer voraussetzen und denen folgende Berufsabschlüsse zugeordnet werden:

 • Bereits nach der Absolvierung der Grundschule kann das Qualifikationsniveau 1: „Certificat de formation professionnelle spécialisée – CFPS  durch einer 6-monatigen Ausbildung erreicht werden.

 • Absolventen der Mittelschule sowie Inhaber des Qualifikationsniveaus 1 können sich durch eine 1-jährige Ausbildung für das Qualifikationsniveau 2: Certificat d’aptitude professionnelle – CAP qualifizieren.

 • Überdurchschnittliche Absolventen der Mittelschule sowie Inhaber des Qualifikationsniveaus 2 können sich durch eine 1,5-jährige Ausbildung für das Qualifikationsniveau 3: Certificat de maîtrise professionnele – CMP klassifizieren.

 • Absolventen des ersten Schuljahrs der allgemeinen Sekundarschule sowie Inhaber des Qualifikationsniveaus 3 können sich durch eine 2-jährige Ausbildung für das Qualifikationsniveau 4: Brevet de technicien – BT weiterbilden.

 • Absolventen der allgemeinen Hochschulreife sowie Inhaber des Qualifikationsniveaus 4 können sich durch eine 3-järige Ausbildung für das Qualifikationsniveau 5: Brevet de technicien supérieure – BTS befähigen.

Aktuelle Reformprozesse

Seit 2010 wird die berufliche Bildung (enseignement professionnelle) in neu gegründeten Instituten für Berufsbildung (Institut d’Enseignement Professionnel – IEP) angeboten. Diese bündeln den Unterricht jeweils für die Fachbereiche Industrie, Landwirtschaft, Hotel, Restaurant und Tourismus, Bau- und Vermessungswesen sowie Sekretariat, Buchführung und Verkauf. Bereits seit 2005 wurde berufliche Bildung in Pilot-INSFP (Institut National Specialisé de la Formation Professionnelle) angeboten.

Seit dem Schuljahr 2003/4 wurde die Aufteilung der Jahre der Grundbildung (enseignement fondamental) schrittweise geändert. Die zuvor 6-jährige Grundschule wurde auf 5 Jahre reduziert, während die zuvor 3-jährige Mittelschule auf 4 Jahre erweitert wurde.

1993 wurden durch das Décret exécutif no 93-67die Abschlüsse geändert, die zuvor in Décret no 83-572 festgelegt waren.

Vor 1993

Ab 1993

Certificat de formation professionnelle du premier degré (CFP I)

Certificat de formation professionnelle specialisée (CFPS)

Certificat d‘aptitude professionnelle du premier degré (CAP I)

Certificat d’aptitude professionnelle (CAP)

Certificat d‘aptitude professionnelle du deuxième degré (CAP II)

Certificat de maîtrise professionnelle (CMP)

Certificat de formation professionnelle du deuxième degré (CAP II)

Brevet de technician (BT)

 

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1999 bis 2007
Gültigkeit: 11.04.1999 - 31.08.2007

Beschreibung

Einführung des BTS

Die Grundschule dauert 6 Jahre und die Mittelschule 3 Jahre. Die verpflichtende Grundbildung endet mit einem Abschlusszeugnis (Brevet d’enseignement fondamental). Im Sekundarbereich können die Schüler/innen innerhalb von drei Jahren entweder einen allgemeinen (Baccalauréat de l’enseignement secondaire) oder einen technischen Schulabschluss (Baccalauréat de technicien) erwerben, die beide eine Hochschulzugangsberechtigung darstellen.

Die berufliche Ausbildung (formation professionnelle) umfasst sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsinhalte. Der praktische Anteil  wurde kontinuierlich ausgebaut.

Es werden national fünf Qualifikationsniveaus unterschieden, die eine unterschiedlich lange Ausbildung voraussetzen und denen folgende Berufsabschlüsse zugeordnet wurden:

  • Qualifikationsniveau 1: Certificat de formation professionnelle spécialisée – CFPS  (6 Monate)
  • Qualifikationsniveau 2: Certificat d’aptitude professionnelle – CAP (12 Monate))
  • Qualifikationsniveau 3: Certificat de maîtrise professionnele – CMP (18 Monate)
  • Qualifikationsniveau 4: Brevet de technicien – BT (24 Monate)
  • Qualifikationsniveau 5: Brevet de technicien supérieure – BTS (30 Monate)

Die oben genannten fünf Abschlussarten können über zwei verschiedene Bildungswege erworben werden:

  • Über die sog. „formation en mode residentiel - FR“, einer vorwiegend schulischen Ausbildung in einer Berufsschule (Établissement de Formation Professionnelle), die mit einem Praktikum im Betrieb beendet wird.
  • Über die sog „formation en mode apprentissage - FA“, einer vorwiegend betrieblichen Lehre, die zum Teil im Betrieb und zum anderen Teil in einer Berufsschule (Établissement de Formation Professionnelle) stattfindet. Diese dauert zwischen einem und maximal drei Jahren.

Die Berufsschulen  in Algerien können in staatlicher oder in privater Trägerschaft sein. Die staatlichen Berufsschulen heißen „Instituts Nationals Spécialisés de la formation professionnelle – INSFP“ oder „Centre de formation Professionnelle et d’Apprentissage – CFPA“.

Die fünf Abschlussarten dienen dem Berufseinstieg. Ein Wechsel zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveaus ist für einige Berufe und Qualifikationsniveaus möglich (passerelle verticale).

Berufliche Weiterbildung (formation continue) wird in Algerien auf allen Qualifikationsniveaus in verschiedenen Formen (Abendkurse, in Berufsbildungsinstituten, in Unternehmen, etc.) angeboten.

Einige berufsbildende Ausbildungsgänge liegen in der Zuständigkeit weiterer Ministerien wie beispielweise dem Ministerium für Landwirtschaft und dem Ministerium für Gesundheit.

Berufsbildungssystem von 1993 bis 1999
Gültigkeit: 01.03.1993 - 10.04.1999

Beschreibung

Neue Bezeichnung der Berufsbildungsabschlüsse

Die Grundschule dauert 6 Jahre und die Mittelschule 3 Jahre. Die verpflichtende Grundbildung endet mit einem Abschlusszeugnis (Brevet d’enseignement fondamental). Im Sekundarbereich können die Schüler/innen innerhalb von drei Jahren entweder einen allgemeinen (Baccalauréat de l’enseignement secondaire) oder einen technischen Schulabschluss (Baccalauréat de technicien) erwerben, die beide eine Hochschulzugangsberechtigung darstellen.

Die berufliche Ausbildung (formation professionnelle) umfasst sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsinhalte. Der praktische Anteil  wurde kontinuierlich ausgebaut.

Es werden national fünf Qualifikationsniveaus unterschieden, die eine unterschiedlich lange Ausbildung voraussetzen und denen folgende Berufsabschlüsse zugeordnet wurden:

  • Qualifikationsniveau 1: Certificat de formation professionnelle spécialisée – CFPS  (6 Monate)
  • Qualifikationsniveau 2: Certificat d’aptitude professionnelle – CAP (12 Monate))
  • Qualifikationsniveau 3: Certificat de maîtrise professionnele – CMP (18 Monate)
  • Qualifikationsniveau 4: Brevet de technicien – BT (24 Monate)

Die oben genannten vier Abschlussarten können über zwei verschiedene Bildungswege erworben werden:

  • Über die sog. „formation en mode residentiel - FR“, einer vorwiegend schulischen Ausbildung in einer Berufsschule (Établissement de Formation Professionnelle), die mit einem Praktikum im Betrieb beendet wird.
  • Über die sog „formation en mode apprentissage - FA“, einer vorwiegend betrieblichen Lehre, die zum Teil im Betrieb und zum anderen Teil in einer Berufsschule (Établissement de Formation Professionnelle) stattfindet. Diese dauert zwischen einem und maximal drei Jahren.

Die Berufsschulen  in Algerien können in staatlicher oder in privater Trägerschaft sein. Die staatlichen Berufsschulen heißen „Instituts Nationals Spécialisés de la formation professionnelle – INSFP“ oder „Centre de formation Professionnelle et d’Apprentissage – CFPA“.

Die fünf Abschlussarten dienen dem Berufseinstieg. Ein Wechsel zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveaus ist für einige Berufe und Qualifikationsniveaus möglich (passerelle verticale).

Berufliche Weiterbildung (formation continue) wird in Algerien auf allen Qualifikationsniveaus in verschiedenen Formen (Abendkurse, in Berufsbildungsinstituten, in Unternehmen, etc.) angeboten.

Einige berufsbildende Ausbildungsgänge liegen in der Zuständigkeit weiterer Ministerien wie beispielweise dem Ministerium für Landwirtschaft und dem Ministerium für Gesundheit.

1993 wurden durch das Décret exécutif no 93-67die Abschlüsse geändert, die zuvor in Décret no 83-572 festgelegt waren.

Vor 1993

Ab 1993

Certificat de formation professionnelle du premier degré (CFP I)

Certificat de formation professionnelle specialisée (CFPS)

Certificat d‘aptitude professionnelle du premier degré (CAP I)

Certificat d’aptitude professionnelle (CAP)

Certificat d‘aptitude professionnelle du deuxième degré (CAP II)

Certificat de maîtrise professionnelle (CMP)

Certificat de formation professionnelle du deuxième degré (CAP II)

Brevet de technician (BT)

 

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Ministerium für Aus- und Weiterbildung (Ministère de la Formation et de l’Enseignement Professionnels - MFEP)

 

Informationen des Auswärtigen Amtes